Tanze nachts auf wilden Wellen
Gedichte
Manfred Schlüter
ISBN: 978-3-99126-348-7
21×12,5 cm, 112 Seiten, m. farb. Abb., fadengeheftetes Hardcover
20,00 €
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Kurzbeschreibung
RÜCKBLICK
Gestern noch
flog ich mit Möwen
übers aufgewühlte Meer
wir waren eins
ein weißer Möwenschwarm
mein Flügelschlag
war einer nur von vielen
mein Schrei ein Schrei nur
im Geschrei der
Brüder Schwestern
Heut bin ich
mit meinem Stuhl verwachsen
mich wärmt kein Federkleid
auf dem Tisch ein Blatt Papier
und darauf Worte
die von gestern künden
da flog ich noch
mit Möwen
Rezensionen
Michael Augustin: [Rezension | Kurztipp Lyrik]Der Dichter und Sams-Erfinder Paul Maar hat ihm einst ein feines kollegiales Vorwort zu seinem Kindergedichtband „Reime Eimer“ verpasst. Und als Meister hochgewitzter Gedichte für die Jüngsten ist Manfred Schlüter, der an der Westküste Schleswig-Holsteins als Schriftsteller und Bildkünstler lebt und arbeitet, bekannt wie ein bunter Seehund. Dass er nun, im zarten Alter von 72 Jahren, seinen ersten Gedichtband für Nicht-mehr-Kinder, vulgo für Erwachsene vorlegt, ist ein Glücksfall. Wer seit Jahren Gedichte für Kinder geschrieben hat und schreibt, weiß nur zu gut, dass jede Art von Schwurbelei, hermetischer Abriegelung oder Herablassung schlicht und einfach Gift ist für das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger. Entstanden ist hier ein Band mit Gedichten, in denen ein Weltbürger aus dem Vollen regionaler Natur und Geschichte schöpft. Heimatliteratur im allerbesten Sinne, ohne jeden Anflug von Provinzialität.
(Michael Augustin in „Augustins Lyrikkiste“ in der Zeitschrift Lesart. Unabhängiges Journal für Literatur №1/2026, S. 21)
Herbert Günther: [Reaktion]
Man spürt den Wind im Gesicht, hört die Wellen rauschen, hat einen weiten Blick über das platte Land. Wie sehr du mit Land und Leuten verwachsen bist! In unserer immer flüchtiger werdenden Welt ist deine Beständigkeit wie ein Anker für das Kleine, Unscheinbare, Wesentliche. Danke dafür, lieber Freund!
(Herbert Günther, Schriftsteller und Übersetzer, in einer Postkarte an Manfred Schlüter)
Ulrich Karger: [Rezension]
Manfred Schlüter legt mit „Tanze nachts auf wilden Wellen“ einen neuen Gedichtband vor – diesmal ohne eigene Illustrationen, dafür aber kongenial vom Verlag mit einem magisch dunkel nachtblauen Umschlag ausgestattet, der in seinem helleren Feld wie in Kupfer gestochene Wellen andeutet, was im Innenteil zu den Überschriften der drei Teile und einem „Abgesang“ noch variiert wird.
Unter „Die toten Geister sind nicht tot“ versammeln sich pointiert skizzierte Erinnerungen an Menschen und ihre Eigenheiten, die sie im nordisch knappen Singsang sofort geradezu plastisch vor Augen und Ohren führen.
Bei „Bin Fisch jetzt unter Fischen“ wird in die Ich-Perspektive gewechselt, mal in die des Autors mal in die eines Tieres, das wie z.B. die Möwen auch im überzeugenden Sprachrhythmus Widerspruch wagt.
„In deinem Feuer möchte ich brennen“ heißt es zum fulminanten Ende hin, das die Schöpfungen von Flora und Fauna in vielen Nuancen feiert, von schwarzhumorig lakonisch, wenn nach idyllischer Reihung von Geräuschen als letztes die Säge kreischt, bis scheinbar unverbesserlich optimistisch, wenn allen ausgestorbenen Tierarten verkündet wird, dass die Zeiger der Weltenuhr zurückgedreht werden und so alles samt ihren ausgestorbenen Existenzen von vorn beginnen kann.
Veröffentlichte Schlüter bislang hauptsächlich für Kinder und Jugendliche oder auch All-Age-Titel, wendet er sich diesmal ausschließlich an Erwachsene.
Denn als Ganzes handelt es sich bei diesem Gedichtband um ein Potpourri an Rückblicken, das nicht zuletzt auch älter und altgewordene Leser und Leserinnen ansprechen wird.
Mittlerweile über 70 Jahre alt hat er längst einen eigenen erkennbaren Ton gefunden, der auch ohne zusätzliche Illustrationen einen unangestrengt weise formulierten Metaphernreichtum ausbreitet und somit reich an Sprachbildern ist, die sich schnell im Gedächtnis der Leserschaft verhaken. Und fließend, die Grenzen seiner Begabungen auflösend, wird es nicht zuletzt da, wo er Treibgut bzw. Fundstücke am Meeresstrand nicht nur als Bildender Künstler, der er ja auch ist, zu kunstvollen Plastiken transformiert, sondern ihnen hier in einem Gedicht neue-alte Bedeutung gibt. Und einen dann mehr als plausiblen Schritt weiter, nutzt er auch Fundstücke von Schriften, wie einen Auszug aus den Naturalis Historia von Plinius, drei höchst informative Schleswiger Amtsblätter von 1871 und 1872, Rundschreiben von 1871 zur Ausstattung von Schulen, eine märchenhaft-gruselige Beschreibung der Region von Karl Müllenhof und zuletzt einen erschreckenden Auszug einer apokryphen Schrift aus dem Alten Testament nach Jesus Sirach zur Erziehung von Kindern. Die korrespondieren dann allesamt mit seinen Gedichten davon oder/und haben sie überhaupt erst angeregt.
Alles zusammen Dichtkunst, die preiswürdig ist und verdient in die Büchernachlese-Bestenliste eingereiht zu werden. Chapeau!
(Ulrich Karger, Rezension für das Online-Rezensionenarchiv Büchernachlese, [Büchernachlese-Bestenliste 2025])
https://buechernachlese.de/archiv/uk_schlueter_manfred_tanze-nachts-auf-wilden-wellen.html
Arne Rautenberg: [Reaktion]
ein großartiger gedichtband. ein wichtiger gedichtband auch für SH. du hast in deinem ersten gedichtband für erwachsene ein fettes brett gebohrt. gratulation dazu!
(Arne Rautenberg, Lyriker und Bildender Künstler, in einem E-Mail an Manfred Schlüter)
Mareike Krügel: [Reaktion]
Hier ist […] ein Päckchen angekommen mit Deinem wunderbaren Gedichtband. Ich bewundere […] Deine nie zu enden scheinende Kreativität und Schaffenskraft und freue mich sehr, dass ich davon etwas abbekomme.
(Mareike Krügel, Schriftstellerin, in einem E-Mail an Manfred Schlüter)
Weitere Bücher des Autor*s im Verlag:
Am Anfang, sagte der Apfel
Der kleine Herr Jemine
Guruku Gugukuru
Na du?
Und draußen ist die Welt