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Mittelalterliche Karner

Kulturhistorische Streifzüge

Doris Demmer

ISBN: 978-3-99126-189-6
27,5×21,5 cm, 176 Seiten, zahlr. farb. Abb., graph. Darst., Kt., fadengeheftetes Hardcover
28,00 €
Neuerscheinung

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Leseprobe (PDF)



Kurzbeschreibung

Vierzig Mittelalterliche Karner, bebildert und beschrieben von Doris Demmer:

Arbesthal/NÖ – Aspang am Wechsel/NÖ – Bad Deutsch-Altenburg/NÖ – Burgschleinitz/NÖ – Dürnstein/NÖ – Friedersbach/NÖ – Großglobnitz/NÖ – Hadersdorf am Kamp/NÖ – Hainburg an der Donau/NÖ – Hardegg an der Thaya/NÖ – Hartberg/Stmk – Heiligenkreuz/NÖ, Stift – Hornstein/B – Kleinfrauenhaid/B – Kühnring/NÖ – Marbach am Walde/NÖ – Margarethen am Moos/NÖ – Maria Anzbach/NÖ – Mauthausen/OÖ – Mistelbach/NÖ – Mödling/NÖ – Muthmannsdorf/NÖ – Neulengbach/NÖ – Perchtoldsdorf/NÖ – Pottenstein/NÖ – Pulkau/NÖ – Rust am Neusiedler See/B – St. Margarethen/B – St. Valentin-Landschach/NÖ – Tulln an der Donau/NÖ – Unserfrau/NÖ – Weikertschlag/NÖ – Wien-Heiligenstadt, St. Michael – Wien-Kahlenbergerdorf – Wien, Schottenkirche – Wien-St. Stephan, Magdalenenkapelle – Wien-St. Stephan, Virgilkapelle – Winzendorf/NÖ – Wullersdorf/NÖ – Zwettl/NÖ, Propstei


Alt sind sie, die Beinhäuser. Relikte eines beinahe ‚ausgestorbenen‘ Begräbnisbrauches. Sie tauchten im Mittelalter auf Friedhöfen als Extragebäude neben katholischen Pfarrkirchen auf, gelangten zu eindrucksvoller hochromanischer Blüte, wandelten sich in der Zeit der Gotik oft zu multifunktionalen Sakralbauten und wurden im Laufe der Jahrhunderte außer Dienst gestellt, umgewidmet oder abgerissen. Fast alle.

Im reich illustrierten Sachbuch (Fotostrecken, Grundrisse, Zeichnungen) werden vierzig Karner aus der Osthälfte Österreichs vorgestellt und mit Objektsteckbriefen ausgestattet. Sie befinden sich schwerpunktmäßig in Niederösterreich und sind überwiegend der kunsthistorischen Epoche der Romanik zugeordnet. Das Herz des Bandes bilden die Prachtbauten in Tulln, Mödling und Hartberg, ein spezielles Augenmerk liegt auf Wien, und es werden auch ‚schlichtere‘ Exemplare gewürdigt, die vom Vergessen bedroht sind.

Die sechzehn Kapitel bieten Beschreibungen der Architektur samt Standorten und ergänzende wissenswerte Hintergrundbetrachtungen aus diversen Blickwinkeln. Die Denkmale sind in regionale Gruppen zusammengefasst und laden zu lohnenden Ausflügen mit einigen Entdeckungen ein!


Leserstimme:
„Doris Demmer hat ein Buch zum Thema Karner gestaltet, das sich zuerst nur in die Masse schöner Bildbände einreiht, aber nach kurzem Lesen zeigt, dass es mehr ist: Der Text schafft es, in einem Atemzug wissenschaftlich sauber recherchierte Information (samt Zitierungen) und tiefe literarische Betrachtung zu sein. Eine überraschend neue und zukunftsträchtige Herangehensweise an ein Thema.“

(Dr. Elisabeth Ertl)




Siehe auch Kurier-TV-Beitrag
»Am Friedhof: Die Karner der Ostregion«
vom 18. Feber 2026 mit der Autorin Doris Demmer


Rezensionen
Manfred Wehdorn: [Reaktion]

Liebe Frau Demmer,

ich […] darf Ihnen eine große Gratulation aussprechen. Sie haben es verstanden, eine wissenschaftlich hoch qualifizierte Studie so zu „verpacken“, dass sie vermutlich auch ein Laie mit Vergnügen durchlesen wird. Abgesehen davon ist das Thema natürlich wirklich hochinteressant, auch im Sinne von Fremdnutzungen.


(Der Architekt Manfred Wehdorn in einem E-Mail an die Autorin)


Agathe Lauber-Gansterer: Die geheimnisvolle Architektur der Karner

Tröstliche Botschaft | Unscheinbar stehen sie auf vielen alten Friedhöfen, doch ihre Geschichte ist reich und vielschichtig: Die mittelalterlichen Karner erzählen vom Umgang unserer Vorfahren mit Tod, Gedenken und Auferstehung. Ein neues Buch von Doris Demmer rückt die stillen Zeugen wieder ins Bewusstsein. Wir trafen die Autorin zum Interview.

Man übersieht sie leicht: unscheinbare Rundbauten, massiv gemauert, oft fensterlos, manchmal mit einer kleinen Apsis oder einem schlichten Portal. Karner – Beinhäuser –, die im Mittelalter an nahezu jedem Kirchhof standen, bestehen vereinzelt auch heute noch. Bei näherer Betrachtung wissen die stillen Bauten einiges über den Umgang unserer Vorfahren mit dem Tod und ihre Hoffnung auf Auferstehung zu erzählen. Die Wienerin Doris Demmer widmet sich dem Thema in ihrem neuen Buch „Mittelalterliche Karner“ und öffnet damit ein architekturgeschichtlich wie spirituell spannendes Kapitel christlicher Kultur.

Die stille Wucht der Romanik
Doris Demmer begann sich während der Pandemie mit Beinhäusern zu beschäftigen. Als Fotografin entdeckte sie auf einem Ausflug den Karner in Mödling. „Da hat es mich gepackt. Die Romanik, die Klarheit der Formen, diese stille Wucht“, erinnert sie sich im Gespräch mit dem SONNTAG in einem Wiener Caféhaus.
Demmer recherchierte, fotografierte, besuchte mehr als 40 Karner in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark und fand rasch heraus: Es fehlt eine moderne Gesamtdarstellung. Ihr neues Buch schließt nun diese Lücke – reich bebildert, fundiert recherchiert und getragen von ihrer Liebe zu Architektur und Geschichte.

Was aber ist eigentlich ein Karner? „Der Karner ist ein extra stehendes Beigebäude neben einer katholischen Kirche, meist südlich gelegen“, erklärt Doris Demmer. „Er diente der Zweitbestattung – also der Aufbewahrung der Gebeine, die beim Ausheben neuer Gräber zutage kamen.“ Im Mittelalter, so beschreibt sie, war der Platz im Kirchhof knapp.
Nur wenige erhielten ein individuelles Grab, die meisten wurden in Gemeinschaftsgräbern bestattet. Die wieder zutage tretenden Knochen mussten jedoch würdig behandelt werden – und fanden daher im unterirdischen Teil eines Beinhauses ihren Platz.

„Der Begriff Karner selbst verweist auf diese Funktion: Er leitet sich vom lateinischen carnarium – Fleischraum – ab“, erklärt die Autorin. Der Karner war also der Ort, an dem die Reste des Sterblichen gesammelt wurden, während im darüberliegenden, schlichten Raum Angehörige Kerzen entzündeten und beteten.

Magische Kreise und mächtige Mauern
Die oft runde Bauform ist kein Zufall. „Der Karner ist ein Schutzbau“, sagt Doris Demmer. „Rund, massiv, mit bis zu zwei Meter dicken Mauern. Das sollte Unheil fernhalten – und zugleich die Grenze zwischen Lebenden und Toten sichern.“ Die streng kreisförmige Geometrie galt als apotropäisch, also Unheil abwehrend, ein Erbe vorchristlicher Vorstellungen, das in das christliche Bauen miteinfloss. Fenster waren selten und winzig: Licht war nicht entscheidend, Sicherheit schon. Die wichtigste Öffnung war jene nach Osten – zur aufgehenden Sonne, dem Symbol für Christus und Auferstehung.

Vom Nutzbau zur kleinen Kirche
Ab dem 12. Jahrhundert wird der Karner allmählich mehr als nur ein Aufbewahrungsort. „Im Laufe des Mittelalters wandelte sich der obere Raum zu einer Kapelle“, schildert Demmer. „Man gab ihm ein Patrozinium, stellte einen Altar auf und hielt Gedächtnismessen ab.“ Mit dieser Entwicklung einher ging eine stetige architektonische Verfeinerung: Apsis, erhöhte geschmückte Portale, differenzierte Wandgliederungen.

Im 13. Jahrhundert entstehen schließlich die „Prachtkarner“ wie in Hartberg und Tulln – reich ausgestattete, monumental wirkende Rundkirchen. „Sie drücken Macht aus. Es handelt sich um Memorialbauten hochstehender Persönlichkeiten, vergleichbar mit zentralen Sakralbauten in Aachen, Rom oder Ravenna.“ Hier wird der Karner zum sichtbaren Ort politisch-religiöser Repräsentation – ohne seine ursprüngliche Funktion zu verlieren.
Auch die Innenausstattung spiegelt theologische Entwicklungen wider. Der Totentanz, das Jüngste Gericht, die Seelenwägung durch Erzengel Michael – all das ist auf Karnerfresken zu finden.

Besonders beeindruckt hat die Buchautorin der Karner von Unserfrau im Waldviertel: „Dort ist die spätgotische Malerei vollflächig erhalten. Der Erzengel Michael mit der Waage – das ist ein Bild, das unmittelbar berührt.“
Die Bildprogramme erzählen, wie intensiv der mittelalterliche Glaube von der Nähe des Todes geprägt war. „Die Menschen wussten: Der Tod gehört zum Leben. Aber sie hatten eine tiefe Hoffnung, dass Gott sie nicht im Dunkeln lässt und die Toten auferstehen werden.“ Die würdige Aufbewahrung der Knochen war im Hinblick auf das Jüngste Gericht sehr wichtig.

Spirituelles Erbe sichtbar machen
Mit der Reformation und der josephinischen Zeit verlieren die Karner ihre Bedeutung. Viele wurden entweiht, abgerissen oder als Magazine genutzt. Erst mit der beginnenden Kunstgeschichtsforschung des 19. Jahrhunderts beginnt man, ihren Wert zu erkennen. Restaurierungen – manchmal behutsam, manchmal allzu „kreativ“ – folgen.

„Heute werden Karner vor allem als Kriegsopfergedenkstätten oder für Verabschiedungen genutzt. Manche aber stehen leer, weil sie modernen Anforderungen nicht entsprechen.“ Umso wichtiger sei es, ihr kulturelles und spirituelles Erbe sichtbar zu machen. „Ein Karner erzählt von Vergänglichkeit“, sagt sie. „Aber er erzählt vor allem von einer großen Hoffnung: dass wir aufgehoben sind – über den Tod hinaus.“
Das Buch „Mittelalterliche Karner“ von Doris Demmer ist eine Einladung, diese stillen Zeugen unserer Glaubensgeschichte neu zu entdecken – und sich ihrer tröstlichen Botschaft zu öffnen.

(Agathe Lauber-Gansterer, Rezension in Der SONNTAG №15/26 vom 12. April 2026, S. 14 f., online veröffentlicht am 7. April 2026)


https://www.dersonntag.at/artikel/die-geheimnisvolle-architektur-der-karner/



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