Spaziergang zu ausgesuchten Kleindenkmälern rund um Neulengbach, im Gebiet östlich der Traisen, südlich der Donau und im westlichen Wienerwald
Karin Hofbauer, Wolfgang Westerhoff
ISBN: 978-3-99126-403-3
23,5×20,5 cm, 128 Seiten, zahlr. farb. Abb., fadengeheftetes Hardcover
24,00 €
Neuerscheinung
In den Warenkorb
Leseprobe (PDF)
Kurzbeschreibung
Die ersten christlichen Flurdenkmäler waren Holzkreuze, einfache Steinkreuze und Bildbäume. Der klassische Bildstock, der erstmals in der frühen Gotik um 1300 auftritt, besteht aus einem Schaft, auf dem ein Gehäuse sitzt. Dazwischen befindet sich meist ein vortretendes Gesims (auch Kragenplatte genannt). Das Gehäuse, das etwas unglücklich als Tabernakel bezeichnet wird, kann offen sein (für die Aufnahme eines Lichtes oder einer Heiligenfigur) oder ist als Block ausgebildet. Dieser kann mit Reliefs geschmückt sein oder Nischen mit Malereien besitzen.
Anfangs gab es bemalte Holz- oder Blechtafeln, die so gut wie nirgends mehr erhalten sind. Den oberen Abschluss des Bildstocks bildete ein Steinkreuz, das später meist durch ein Metallkreuz ersetzt wurde. Eine andere häufige Form ist der Breitpfeiler, auch Kapellenbildstock genannt. Er hat querrechteckigen Grundriss, eine große Nische und einen Giebel (daher auch als Giebelbildstock bezeichnet). Im Gegensatz zur Wegkapelle ist er „nicht begehbar“.
Die Errichtungsgründe waren ursprünglich Markierung von Wegkreuzungen, Weggabelungen (Scheidewegpfeiler), Grenzen und anderen „gefährlichen Orten“. Der Bildstock hatte hier Schutz- und Wegweiserfunktion. Dazu kamen noch die Lichtsäulen auf den Friedhöfen oder über Pestgräbern. Auf den Feldern wurden Wetterkreuze zum Schutz gegen Unwetter errichtet. Eine traurige Funktion hatten die sogenannten Arme-Sünder-Kreuze. Hier verrichteten Verurteilte ihr letztes Gebet. Im Laufe der Geschichte wurden Bildstöcke aufgrund bestimmter Ereignisse errichtet. Hierher gehören die Schweden- und Türkenkreuze, aber auch ganz persönliche Errichtungsgründe. Das allgemein gebräuchliche Wort „Marterl“ bezeichnet korrekt nur einen Ort, an dem ein Unglück passiert ist, sei es zum Gedenken für den Verunfallten oder als Dank für glücklichen Ausgang. Ab der Barockzeit wurden große monumentale Säulen errichtet, Dreifaltigkeitssäulen immer aus Dankbarkeit für das Erlöschen der Pest (das letzte große Pestjahr war 1713) und Mariensäulen als Zeichen der Gegenreformation. Der Kult um den heiligen Nepomuk kam im 18. Jh. auf. Das Urlauberkreuz sei noch erwähnt als Ort, wo Wallfahrer verabschiedet und wieder empfangen wurden. Auf andere Objekte wie Rote und Weiße Kreuze, Prangersäulen, Mausoleen, Karner etc. wird im Buchinneren eingegangen.
Ziel des Buches ist es, auch bei Menschen, die sich mit dieser Materie bisher nicht beschäftigt haben, das Interesse zu wecken, Dinge, an denen sie vielleicht bisher achtlos vorüber gegangen sind, wahrzunehmen und näher zu betrachten, sowie eventuell zu Ausflügen, Wanderungen und Besichtigungen anzuregen. Daher wurden Fachbegriffe, die den meisten geläufig sein werden, gleich an Ort und Stelle erklärt.
Rezensionen
Gregor Auenhammer: Lob dem MissachtetenSie bleiben meist unbeachtet, finden nur in den seltensten Fällen Einzug in Reiseführer, erfahren weder mediale noch öffentliche, schon gar nicht touristische Aufmerksamkeit, und doch säumen sie zu Hunderten, nein, Tausenden die Straßen und Wege am Land und in der Stadt: kleine Flurdenkmäler wie Holzkreuze, Bildstöcke, Karner, Grenzsteine, Epitaphe, Bildbäume, Pfeiler, Pranger, Säulen und viele, viele mehr. Karin Hofbauer und Wolfgang Westerhoff haben es sich vor Jahren zur Aufgabe gemacht, diesen zu Unrecht unbeachteten Objekten ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Sie wählten einen Raum in Niederösterreich aus und erkundeten von Neulengbach aus im Radius von circa 30 Kilometern die Fluren und Wege des Tullnerfelds und des Wienerwalds. Ziel des Projekts war aber keine trockene wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine bibliophile Verführung zur persönlichen Erkundung. Beim blätternden Durchschreiten des sorgsam editierten Büchleins mutiert der Betrachtende regelrecht zum Flaneur, entlang von Mausoleen, Friedhofskreuzen, Kalvarienbergbildern, Marterln, Säulen, Glockentürmen, Grenzsteinen, Bildstöcken, steinernen, hölzernen, gedrechselten, gegossenen und getriebenen Kunstwerken; im Dialog meist mit der unberührten Natur, mit Bäumen, Sträuchern, Äckern und Wiesen. Das Ergebnis ist eine absolute Überraschung und gerät beinahe zu einer Wallfahrt des Außergewöhnlichen. Vom Pestkreuz bei Mechters, der Prangersäule von Hasendorf, dem Arma-Christi-Kreuz bei Langmannersdorf bis zu Scheidewegpfeilern im Nirgendwo …
(Gergor Auenhammer, Rezension im DerStandard-Feuilleton „Album“ vom 14./15./16. August 2026, S. A 7)